Ja zur Berner Bildungsinitiative als Bekenntnis zur Bildungsqualität
Am 27. September 2026 stimmt der Kanton Bern über die Berner Bildungsinitiative ab. Sie will den Grundsatz einer flächendeckend hohen Bildungsqualität in der Kantonsverfassung verankern. Das Komitee «Ja zur Berner Bildungsinitiative» startet heute seine Abstimmungskampagne.
Gute Bildung ist das Fundament für einen starken Kanton Bern. Sie sichert die Fachkräfte für unsere Wirtschaft, schafft Chancen für Kinder und Jugendliche und stärkt unsere Demokratie. Doch dieses Fundament gerät zunehmend unter Druck. Die Berner Bildungsinitiative verlangt deshalb, dass Kanton und Gemeinden eine flächendeckend hohe Bildungsqualität auch langfristig sichern und die dafür notwendigen Massnahmen treffen.
Jede zehnte Lehrperson unterrichtet ohne Diplom
Die Qualität des Unterrichts und der Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler hängt entscheidend von gut ausgebildeten Lehr- und Fachpersonen ab, die professionell handeln, stabile Beziehungen zu den Lernenden aufbauen und langfristig gesund im Beruf bleiben können. Aufgrund des Lehrpersonenmangels mussten in den vergangenen Jahren zunehmend Personen eingestellt werden, welche nicht über die für ihre Funktion vorgesehene Ausbildung verfügen. Über die verschiedenen Schulstufen betrachtet sind es 10%, die ohne Lehrdiplom unterrichten. Zählt man jene Personen mit, die nicht über die adäquate Ausbildung verfügen, also beispielsweise mit einem stufenfremden Diplom unterrichten, ist die Zahl mit bis zu 30%, je nach Stufe und Funktion, deutlich höher. Dies führt unter anderem auch dazu, dass Schulkinder oft von häufigen Lehrpersonenwechseln betroffen sind.
Gefahr der sinkenden Unterrichtsqualität
Tina Hascher ist Professorin am Institut für Erziehungswissenschaft der Uni Bern. Sie weiss: “Lehrpersonen, die Freude und Wohlbefinden im Unterricht erleben und sich den Herausforderungen gewachsen fühlen, gestalten einen besseren Unterricht. Bei Lehrpersonen, die sich nicht gewachsen fühlen, spiegelt sich dies in einer niedrigeren Unterrichtsqualität.”
Die Initiative verlangt, dass ausgebildete Lehrkräfte an Berner Schulen wieder zum Standard werden. Fehlende Ausbildung soll in Zukunft nachgeholt werden müssen.
«Kinder haben nur eine Schulzeit. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, dass sie gut ist – überall im Kanton Bern und nicht nur dort, wo es gerade möglich ist», sagt Stefan Wittwer, Geschäftsführer von Bildung Bern, dem Berufsverband für Lehrpersonen und Schulleitungen.
Berner Wirtschaft: Weniger Berufsabschlüsse als Warnsignal
Die Zahl der Abschlüsse auf Sekundarstufe II ist im Kanton Bern in den vergangenen Jahren gesunken. Damit entfernt sich der Kanton vom gemeinsamen Ziel von Bund und Kantonen, wonach 95 Prozent der jungen Menschen bis zum 25. Altersjahr über einen Abschluss auf Sekundarstufe II verfügen sollen.
Hinter diesen Zahlen stehen junge Menschen, die ihr Potenzial nicht vollständig ausschöpfen können. Gleichzeitig fehlen der Wirtschaft dringend benötigte Fachkräfte. Peter Stämpfli, VR-Präsident der Stämpfli AG, ist überzeugt: «Bildung ist kein Luxus, sondern ein Grundnahrungsmittel für unsere Gesellschaft und unsere Wirtschaft.» Wer heute nicht in die Bildungsqualität investiert, bezahlt morgen einen hohen Preis: bei der Fachkräftesuche, im Sozialwesen und im Gesundheitswesen.
Gute Bildung stärkt die Demokratie
Eine lebendige Demokratie braucht Bürgerinnen und Bürger, die Informationen einordnen, Argumente abwägen und sich eine eigene Meinung bilden können. Die Schule vermittelt nicht nur Wissen. Sie fördert kritisches Denken, Urteilsfähigkeit und die Bereitschaft, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Gute Bildung ist deshalb weit mehr als ein Anliegen der Schule. Sie ist eine Voraussetzung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für eine funktionierende Demokratie.
Rückendeckung durch die Kantonsverfassung
Die Kantonsverfassung hält fest, was für den Kanton Bern von grundlegender und dauerhafter Bedeutung ist. Bildung gehört zu den zentralen Aufgaben des Kantons. Trotzdem äussert sich die Verfassung bisher nicht zu deren Qualität. Die Berner Bildungsinitiative schliesst diese Lücke und schafft einen verbindlichen und langfristigen Auftrag.
Medienkontakte
Stefan Wittwer, Geschäftsführer, 079 399 83 62, stefan.wittwer@bildungbern.ch
Alain Jobé, Responsable francophone, 078 714 16 80, alain.jobe@bildungbern.ch
Zur Initiative/Komitee: Die Berner Bildungsinitiative wurde vom Berufsverband Bildung Bern lanciert. Sie wird von zahlreichen Organisationen sowie von über 150 Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik unterstützt, die sich in einem kantonalen Komitee sowie neun Regionalkomitees engagieren. Zum Unterstützungskomitee gehören unter anderem Eva Jaisli (VR-Präsidentin der PB Swiss Tools AG), Hans-Christian Schneider (CEO der Ammann Group), Simone Niggli (OL-Weltmeisterin), Büne Huber (Musiker, Patent Ochsner), Mark Trauffer (Musiker und Unternehmer), Flavia Wasserfallen (Ständerätin), Marianna Lehmann-Gygax (Vorstandsmitglied FDP Frauen Kanton Bern) sowie Hans Grunder (Alt-Nationalrat). Damit wird die Initiative von Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik über Parteigrenzen hinweg unterstützt.